LIBERTAS FörderPartnerBrief Sommer 2018 Empfehlung

Liebe LIBERTAS-Samariter, lieber Förderpartner,

Kinderarmut in Deutschland

Armsein war schon seit je ein relativer Begriff. Naturgemäß spielt die gefühlte befriedigte oder nicht befriedigte Bedürftigkeit des Einzelnen eine entsprechende Rolle dabei. Allerdings kann man auf dieser Basis individuell gefühlter Armut keine wirksame Sozialpolitik betreiben, sondern benötigt sowohl eine allgemeingültige Definition als auch verlässliche statistische Erhebungen.

Die EU-Mitgliedsstaaten haben dazu EU-weit vergleichbare Datenquellen über Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Europa festgelegt, und so gelten für die Statistik in allen Mitgliedstaaten einheitliche Definitionen sowie methodische Mindeststandards. Zugleich wurde der Begriff der Armutsschwelle eingeführt, also die finanzielle Grenze definiert, unterhalb der man als armutsgefährdet angesehen wird.

Hat eine Person 60 % oder weniger dieses Betrages als Einkommen zur Verfügung, spricht man von Armutsgefährdung. Menschen, die nur 40 % oder weniger zur Verfügung haben, werden als relativ arm ( materiell erheblich eingeschränkt) bezeichnet. In Deutschland beträgt die Armutsschwelle für eine alleinstehende Person zur Zeit rd. 1.060,- €. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt sie bei 2.230,- € netto im Monat. Nach dieser Definition sind in Deutschland aktuell rd. 13 Mio. Menschen von Armut (d.h. armutsgefährdet, weil unterhalb der Armutsschwelle) betroffen. Davon sind rd. 2,05 Mio. Kindern unter 18 Jahren, das ist etwas mehr als jedes 6. Kind im Land.

Erfreulicher Weise ist erkennbar, dass die Zahl der bedürftigen einheimischen Kinder (mit deutscher Staatsbürgerschaft) sinkt, während jedoch die Zahl der zugewanderten ausländischen Kinder vor allem auch durch den Flüchtlingszustrom ab 2015 gestiegen ist. Nach dem heute eingetreten starken Rückgang der Flüchtlingszuwanderung, schwächt sich offenbar auch der Neuzugang in den Armutsbereich etwas ab. Besonders gefährdet sind Kinder von arbeitslosen oder alleinerziehenden Väter/Müttern, in Migrantenfamilien oder grundsätzlich kinderreichen Haushalten. Diese Gruppen bilden zugleich den großen Empfängerkreis unterstützender Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Hartz IV, Wohngeld und sonstige Hilfen.

Da die Einkommenssituation der Väter und Mütter eine maßgebliche Auswirkung auf die Kinderarmut hat, gibt es regional deutliche Unterschiede. Das geringste Risiko bereits von Kindesbeinen an auf die staatliche Grundsicherung angewiesen zu sein und in die Armut abzugleiten, hat man laut den Zahlen der Bundesarbeitsagentur in Bayern, wo lediglich 6,8 Prozent der unter 18-Jährigen in Familien mit Hartz-IV-Bezug leben. Danach folgt Baden-Württemberg mit einer sogenannten Hilfsquote von 8,4 Prozent. In Bremen und Berlin ist dagegen fast jedes dritte Kind (bis zum Alter von 18 Jahren) auf staatliche Unterstützung angewiesen, in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Hamburg ist gut jedes fünfte Kind oder Jugendlicher betroffen.

Bezieht man in die Analyse die Kaufkraft und damit die Preisunterschiede an den Wohnorten mit ein, tragen allerdings nicht mehr die ländlichen Regionen, sondern westliche Großstädte das höchste Armutsrisiko. Bremen, Hamburg, Berlin liegen da wieder ganz vorne. Am Beispiel Münchens lässt sich dieses Phänomen ebenfalls gut nachvollziehen. Hier liegt das Armutsrisiko bei rd. 13 %, also doppelt so hoch wie in Gesamtbayern.

Eine Studie der Bertelsmannstiftung aus dem Jahr 2017 („Armutsmuster in Kindheit und Jugend Längsschnittbetrachtungen von Kinderarmut“) zeigt die Auswirkungen von Kinderarmut auf. Die existenzielle Grundversorgung von Kindern ist i.d.R. gewährleistet. Arm zu sein heißt vielmehr, auf vieles verzichten zu müssen, was für Gleichaltrige ganz normal zum Aufwachsen dazugehört. Vor allem schließt es von vielen sozialen und kulturellen Aktivitäten aus. Für die Studie fragten die Wissenschaftler 23 Güter und Aspekte sozialer Teilhabe ab, ob diese in Familien aus finanziellen Gründen fehlen. Die Liste umfasste Dinge, wie eine ausreichend große Wohnung, eine Waschmaschine, einen internetfähigen Computer, aber auch die Möglichkeit, im Monat einen festen Betrag sparen zu können. Gesellschaftliche Aspekte, wie ein monatlicher Kinobesuch oder Freunde zum Essen nach Hause einladen zu können, wurden ebenfalls berücksichtigt.
Das Ergebnis: Durchschnittlich fehlen Kindern in einer dauerhaften Armutslage 7,3 der 23 Güter, bei Kindern, die kurzzeitig von Armut betroffen sind es 3,4 Güter. Dagegen müssen Kinder aus Familien mit sicherem Einkommen im Schnitt nur auf 1,3 Güter verzichten.

Diese und andere Untersuchungen machen deutlich, dass Kinderarmut die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben reduziert, in der Schule nachweisbar zu schlechteren Noten und später schlechteren Berufschancen führt. Auch die gesundheitliche Entwicklung ist signifikant stärker beeinträchtigt als in den sicheren Einkommensgruppen.

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Mit dem „Bildungs- und Teilhabepaket“ aus dem Jahr 2011 hat die Bundesregierung ein anerkennenswertes Instrument geschaffen, um hier Not zu lindern. Es sieht einerseits Zuschüsse für den schulischen Bereich wie Schulessen, Lernförderung, persönlichen Schulbedarf, Ausflüge und Klassenfahrten oder Schülerbeförderung vor, als auch finanzielle Hilfe zur Teilhabe an kulturellen und sozialen Leben wie Musikunterricht, Vereinssport oder Freizeiten. Obwohl Ende 2017 rd. 2,5 Mio. Kinder einen Anspruch darauf hatten, wurde es nur von rd. einem Viertel der Berechtigten in diesem Zeitraum in Anspruch genommen. Zum einen liegt es sowohl an den bürokratischen Hürden (umfangreicher Antrags- und Nachweisaufwand), was viele überfordert, aber auch den nicht wirklich bedarfsgerechten Beträgen (z. Bsp. 10-, € mtl. für alle Aufwendungen aus dem Bereich soziale/kulturelle Teilhabe), die den Aufwand nicht lohnend erscheinen lassen.

Angesichts der Fakten wird deutlich, dass es großer, dauerhafter sozial- und familienpolitischer Anstrengungen bedarf, um diesen Negativkreislauf vom Kinderarmut zu durchbrechen. Die Erhöhung des Kindergeldes, Befreiung von Kinderbetreuungskosten, gute Bildungs- und Freizeitangebote sowie unbürokratische Hilfen sind beispielhaft zu nennen.

Die Libertas versucht hier besonders zu helfen indem sie unter anderem den betroffenen Familien oder alleinstehenden Müttern/Vätern eine kostenlose Schuldnerhilfe zur Schuldenbereinigung anbietet, aber auch eine unabhängige Verbraucherberatung zum Thema Geld und Versicherungen zur Verfügung stellt.

Ihr Waldemar Junior
(Stellvertretender Vorsitzender)

  Junior Förderpartnerbrief
An dieser Stelle möchten wir heute einen Klienten zu Wort kommen lassen, der Ihnen seine Geschichte und seine Erfahrung mit der Libertas Lichtenstein erzählen möchte
Ich hatte einen Freund in Deutschland, mit dem ich oft redete. Er erzählte mir, dass das Leben hier besser als in Italien sei , weil es da Hilfe vom Staat gebe und sie einem das Haus bezahlen würden. Er hatte ein italienisches Restaurant zusammen mit seinem Cousin eröffnet und das lief sehr gut. Jedes Mal Fragte er zu mich, weshalb ich nicht auch kommen würde, dann könnten wir gemeinsam ein Restaurant eröffen. Da entschloss ich mich tatsächlich  zu kommen und sandte schon im Voraus Geld damit sie mir ein Haus und Möbel dafür kaufen würden. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber es waren so um die 3.000 bis 4.000 Euro. Und als ich dann nach Deutschland kam, nahm ich mein ganzes restliches Geld mit, was ich in Italien hatte.

Mein Freund versicherte mir, dass auch meine Frau hier versichert sein würde, wobei sie diesbezüglich noch auf die Antwort der AOK warteten. So kam es, dass ich schon eine Anstellung hatte, obwohl ich noch gar nicht in Deutschland angekommen war. Ich hatte alle Dokumente schon per Mail geschickt. Wir zogen nach Borna bei Leipzig. Das erste Problem trat auf als meine schwangere Frau keine medizinischen Untersuchungen machen lassen konnte, denn die Krankenkasse wollte sie doch nicht versichern. Der Tag der Geburt rückte heran und wir brauchten unbedingt ein paar Untersuchungen und mussten die Anmeldung im Krankenhaus für die Geburt machen. Währenddessen sagte mein Freund, dass wir nach Lichtenstein gehen müssten, um wegen des Restaurants etwas auszumachen. So machten wir es: wir fuhren nach Lichtenstein , redeten miteinander und kamen überein dort das Restaurant zu eröffnen. Deshalb verließen wir unsere Wohnung in Borna - ohne zu wissen, dass wir einen Mietvertrag für ein Jahr abgeschlossen hatten. Ich sprach ja kein Deutsch, lesen konnte ich es auch nicht. So ging ich ahnungslos zur Agentur, um die Wohnung zurückzugeben, was diese ablehnten und der Vertrag blieb offen.

In Lichtenstein angekommen, investierte ich all mein Geld in das Restaurant und war auch gezwungen einen Telefon- und Internetvertrag in meinem Namen abzuschließen, denn das Lokal brauchte ja eine Telefonnummer unter der man Vorbestellungen aufgeben und verschiedene Dienste in Anspruch nehmen konnte. Das Restaurant wurde eröffnet und nahm seine Arbeit auf. Im August 2014 wurde unsere Tochter geboren und wieder gab es ein Problem, denn die Geburt musste bezahlt werde. Im November 2014 wurde ich von meinem Freund entlassen. Das bedeutete, dass er keine Krankenversicherung mehr für mich bezahlte, aberdavon wusste ich nichts. Ich arbeitete weiter normal und sorglos in gewisser Weise. All das kam erst im Januar 2015 heraus, als ich in einem Brief der AOK erfuhr, dass es da unbezahlte Beiträge gebe, die ich selber begleichen müsste, wenn sie der Arbeitgeber nicht bezahlen würde. Ich solle mir dies gut überlegen, denn eine Krankenversicherung sei in deutschland Pflicht. Als ich meinen Freund darauf ansprach, gerieten wir in Streit. Ich zog mich danach aus dem Geschäft zurück und bekam nichts von meinen Investitionen wieder. Mit anderen Worten, innerhalb weniger Monate hatte ich viele Schulden angehäuft: die Untersuchung vor der Geburt, die Krankenhauskosten für die Geburt selbst, dann die unbezahlten Mieten der Wohnung in Borna, der unbezahlte Internetvertrag und die unbezahllten Krankenkassenbeiträge. Es war ein Vhaos und wirklich Stress - weder konnte ich Arbeit finden noch bezog ich Sozialhilfe, und alle schickten Briefe und wollten Geld.

Aber Gott wollte, dass ich Annett kennenlernte. Sie half uns sehr und übersetzte überall, wo wir es brauchten, besonders wenn wir mit unserer Tochter zum Kinderarzt gehen mussten. Vielleicht war das für Annett eine kleine sache, aber für uns war sie die Rettung. Es war uns als ob Gott sie uns extra geschickt hätte. So machte sie uns später mit der Schuldnerhilfe Libertas e.V. bekannt, wo wir einen Termin bekamen, alles berichteten und den Prozess der Schuldenbereinigung beginnen konnten. Und wirklich! Jetzt sind wir frei und konnten jeden Punkt mit Erfolg zum Abschluss bringen. Es bleibt mir nur noch DANKE! zu sagen. Danke für die Geduld, für die Gastfreundschaft, Danke für alle Bemühungen und alle Opfer, die ihr für mich und meine Familie gebracht habt.

Gott segne euch!

Neritan, Arjola mit Emili

Fallbeispiel
Sehr gerne stellen wir Ihnen hier ein weiteres Mitglied unseres Vorstandes vor:

Liebe Libertas Freunde und Leser,

mein Name ist Karl-Heinz Mulsow. Ich bin 65 Jahre alt und wohnhaft in Weissach bei Stuttgart. Meine Frau und ich sind seit 36 Jahren verheiratet Wir haben vier erwachsene Kinder, einen Sohn und 3 Töchter. Wir freuten uns, dieses Jahr zwei Hochzeiten zu feiern.
Beruflich bin ich jetzt seit 15 Jahren selbständig als Unternehmensberater für mittelständische Unternehmensfinanzierungen. Die Selbständigkeit war eine Folge daraus, dass ich im Alter von 50 Jahren aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation des letzten Arbeitgebers gekündigt wurde. Nach einem Vergleich und der beruflich begleitenden Beratung fand sich für mich keine passende Stelle. Für uns als Familie mit vier heranwachsenden Kindern war dies ohne große Reserven eine schwierige Zeit, auch da wir aufgrund der Familiensituation ein großes Haus mit entsprechender Belastung hatten. Dank Gottes und der Hilfe vieler Freunde haben wir die Anfangsschwierigkeiten gut überwunden.

Über einen christlichen Unternehmerkreis habe ich dann Roland Huwer und mit ihm die Arbeit für finanziell angeschlagene Menschen kennen gelernt. Seit 10 Jahren bin ich nun Mitglied und im Vorstand der Libertas e.V. Durch meine Erfahrung bei Libertas konnte ich bereits mehreren Mitarbeitern eines Kunden helfen, dessen Geschäftsführer ein Freund von mir ist. Durch dessen Unterstützung für seine Mitarbeiter gelang es mir Vergleiche zu erreichen, die die Verbindlichkeiten deutlich reduzierten und durch ein Arbeitgeberdarlehen beglichen werden konnten. Für den Chef bedeutet es auch, dass er Mitarbeiter mit geordneten finanziellen Verhältnissen und einem klaren Kopf für die Arbeit hat.

Ihr
Karl-Heinz Mulsow
(Schriftführer)

Unser Dank vom gesamten Vorstand und allen ehrenamtlichen Mitarbeitern gilt immer wieder Ihnen – liebe FörderPartner. Denn nur durch Ihre finanzielle Unterstützung können wir bis heute unsere Arbeit so erfolgreich durchführen. Auch für neue Förderer sind wir dankbar, die uns im Gebet, finanziell oder genauso wichtig, aktiv durch Mitarbeit unterstützen.

  Unsere Mitarbeiter 
 Herr Mulsow Portrait
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